AI Selfies ist eine Serie von Selbstporträts, die nie fotografiert wurden. Seit 2024 nutze ich mein eigenes Gesicht als Ausgangsmaterial für generative Bildmodelle. Trainiert mit meinen Fotografien, haben die Modelle gelernt, mich zu imitieren. Die Bilder, die sie hervorbringen, sehen aus wie Fotografien, haben aber keinen Moment der Belichtung, keinen Ort und keinen Tag, an dem sie aufgenommen wurden.
Das Projekt untersucht das Verhältnis von Fotografie und synthetischen Bildern. Jedes Bild ist zugleich Abbild und Erfindung: eine Schleife, in der das Ich sich selbst als Fiktion zurückgespiegelt bekommt. Was bleibt von einem Selbstporträt, wenn die Kamera durch ein Modell ersetzt wird? Was bedeutet Authentizität, wenn ein Bild von mir existieren kann, ohne dass ich je vor einem Objektiv stand?
Die Porträts übernehmen bewusst die Bildsprache der sozialen Medien: das Selfie, den beiläufigen Schnappschuss, das inszenierte Selbst. Damit stellen sie das Vertrauen infrage, das wir fotografischen Bildern von Menschen noch immer entgegenbringen, in einer Zeit, in der sich solche Bilder endlos und überzeugend erzeugen lassen.
Alle Bilder entstehen auf meinem eigenen Rechner, mit lokaler GPU-Berechnung in ComfyUI, Stable Diffusion, FLUX und eigenen, auf mein Gesicht trainierten LoRAs. Jedes Bild wird dokumentiert und mit C2PA-Herkunftsnachweisen signiert, sodass sein synthetischer Ursprung nachvollziehbar bleibt. Die Fiktion ist Gegenstand der Arbeit; täuschen soll sie nie.
Timo Schuster, Berlin, 2025–2026










































































































































